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17.08.2015

Forstkonzept sichert Holznutzung und verhindert Schutzgebiete

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert das von den Staatsforsten für Ebrach nach der Abschaffung des Schutzgebietes angekündigte Trittsteinkonzept als reines Marketingkonzept. Damit sollen auf einhundert Prozent der Fläche kommerzielle Holznutzung gesichert und größere Naturwaldschutzgebiete verhindert werden.

„Der Staatsforst will nur kleinflächige „Trittsteine“ schützen, um weiterhin auf dem größten Teil der Waldfläche Holz nutzen und dicke Altbäume einschlagen zu können“, so Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter. „Wir bedauern es sehr, dass die Staatsforsten hier ihrer umfassenden Verantwortung für die 800.000 Hektar Staatswälder nicht gerecht werden, weil sie versuchen notwendige Schutzgebiete zu verhindern. Der Staatswald müsse mehr sein als ein reiner Wirtschaftswald. Nur so gibt es auch eine Chance für ein Weltnaturerbe oder einen Nationalpark“.

Forstkonzept soll Holznutzung sichern und Weltnaturerbe verhindern

Selbst wenn die Anzahl und Fläche der Trittsteine verdoppelt würde, würden dazwischen weiterhin in großem Stil Bäume eingeschlagen und mit schweren Forstmaschinen gefahren. Mit einem derartigen Nutzungskonzept wird eine Weltnaturerbebewerbung unmöglich gemacht. Zwar hat die Forstseite in der Vergangenheit mehrfach behauptet, man wolle sich mit dem Trittsteinkonzept für ein Weltnaturerbe bewerben. „Ein einfacher Anruf bei der UNSECO reicht aus, um festzustellen, dass dies absolut unzureichend ist“ so der BN-Waldreferent Dr. Ralf Straußberger. „Es ist offensichtlich, dass die Forstseite eine Weltnaturerbebewerbung und einen notwendigen Waldschutz verhindern will und zur Ablenkung versucht eine Weltkulturerbebewerbung zu initiieren“. Mit der Aufhebung des Schutzgebietes drohe die vom Umweltministerium angekündigte Regionalkonferenz für den Steigerwald zur Farce zu werden. Denn dabei sollte über die Rahmenbedingungen für eine Weltnatur- oder Weltkulturerbe-Bewerbung diskutiert werden, was schwierig werden dürfte, weil mit dem nutzungsfreien Waldschutzgebiet die Staatsregierung soeben eine zentrale Voraussetzung für eine Weltnaturerbe-Bewerbung beseitigt hat.

Glaubhafter Waldnaturschutz braucht auch Schutzgebiete ohne Nutzung

„Wir begrüßen es, wenn der neue Vorstandvorsitzende der Staatsforsten Martin Neumeyer mehr Naturschutz im Staatswald umsetzen will“, so Mergner. „Wenn er glaubwürdig sein will, dann muss er sich dafür einsetzen, dass in ausgewählten Staatswaldgebieten auch größere flächige Waldnaturschutzgebiete eingerichtet werden, in denen sich ein Naturwald entwickeln darf.“ Das Staatsforsten-Konzept, das auf ganzer Fläche zugleich „Schützen und Nutzen“ will, sei nicht mehr zeitgemäß. Es stamme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, als die Förster glaubten, mit einer „guten“ Holznutzung würde der Wald schon alle Funktionen erfüllen. Aufgrund vieler Forschungsergebnisse wisse man aber schon länger, dass durch die Waldwirtschaft in Bayern viele Waldarten ausgestorben seien bzw. nur noch am Rande ihrer Existenz dahinvegetieren. „Wer Bäume in jungen Jahren fällt, kann sie eben nicht schützen, bekommt keinen alten Wald und schon gar keinen Naturwald“, so Ralf Straußberger, BN-Waldreferent.

Der BN wirbt dafür, dass es neben den Wirtschaftswäldern auf 10 Prozent der Staatswaldfläche auch Naturwälder ohne Holznutzung geben soll, für die die Förster die Verantwortung tragen sollen. Auch früher schon habe man in Bayern Naturwälder auch großflächig geschützt, wie in den beiden Nationalparken im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden und im Biosphärenreservat Rhön.

„Wir appellieren an die Bayerische Staatsregierung, dass sie ihrer früheren Vorreiterrolle im Waldschutz unter Hans Eisenmann wieder gerecht wird und Teile der Staatswälder konsequent schützt, anstatt Waldschutzgebiete mit zweifelhaften Methoden aufzuheben“, so Mergner.


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